Es gibt Menschen, die können nicht alleine sein – und andere, die können nur das. Zwischen diesen beiden Extremen spielt sich das Leben der meisten Menschen dieser Erde ab. Und es gibt Situationen im Leben, die kann man einfach nur alleine erleben und genießen.
Wer immer es geschafft hat, morgens um 4:00 auf diesem Wipfel zu stehen und der Sonne bei ihrem Erwachen zuzusehen, hat zweifellos allerlei Strapazen auf sich genommen. Er hat sich lange zäh allen Naturgesetzen dieser Welt widersetzt, um sich mühsam Meter für Meter nach oben zu kämpfen. Und jetzt, genau an diesem Punkt und genau zu diesem Zeitpunkt gelten sie nicht mehr: Die Zeit steht still, Kraft, Gewicht, Anziehung – alles ist aufgehoben. Jetzt, genau jetzt, gibt es nur noch mich und ich möchte meine Arme einem Adler gleich ausspannen und mich schwerelos in die Zeitenlosigkeit erheben, mich freier als frei fühlen und einssein mit nichts und allem. Jetzt, genau jetzt!

Aber die Sonne hat gemogelt. Sie ist nicht stehen geblieben. Sie hat die Zeit nicht angehalten. Sie hat mir den schönsten Augenblick meines Lebens nur für kurze Zeit gegönnt. Ich habe nicht abgehoben und bin nicht los geflogen. Ich spüre mein Gewicht wieder und stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Schade! Mehr frei zu sein als gerade eben geht nicht. Was bleibt ist Freiheit. Aber nicht die Freiheit, die ich meine. Und jetzt, nachdem die Sonne aufgegangen ist, beginnt der Abstieg.
Emu
Ein tolles Lichtspiel in dem Bild