Neulich war ich mal wieder am Meer – daraufhin musste ich dieses Bild einfach malen. Nicht dass ich diese Welle gesehen hätte. Nein, das Meer war friedlich. Ich hätte sie aber sehen können und ihre Macht, Gewalt und Ästhetik hätte mich genauso beeindruckt wie beim Malen. „Warum türmt sich Wasser zu einer Welle“ wollte meine Frau wissen. Das ist eine einfache Frage mit einer schwierigen Antwort. Ich versuche sie vereinfacht zu beantworten.

Acryl auf Leinwand, 70×50, 86. Vorlage: Foto aus dem Internet

Wasser ist die Urquelle des Lebens – zumindest bei uns auf der Erde. „Alien“ ist die englischsprachige Vorstellung außerirdischen Lebens. Führend was die entsprechende Lebensformen, Aussehen und Verhalten betreffen, sind unsere Freunde jenseits des großen Teichs. Erschreckend viele von ihnen sind überzeugt, dass uns Aliens bereits besucht haben, ja sogar, dass sie für unser irdisches Leben verantwortlich sind. Es gibt ganze Buchsammlungen darüber, wie wir uns gegenüber Aliens verhalten sollten – und im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen, welche irdischen Waffen dafür tauglich sind und welche nicht. Selbstverständlich gibt es auch bildhafte Vorstellungen ihres Aussehens, denn Viele haben sie bereits gesehen: Kopf, zwei Augen (etwas asiatisch geprägt), Mund, zwei Arme, zwei Beine, aufrechter Gang. So müssen sie auch aussehen, denn einer Überzeugung entsprechend leben sie unbemerkt unter uns. Wer als erzkonservativer, reicher Amerikaner einen aufrechten Kampf gegen existierende und künftige Aliens verspricht, hat gute Chancen, nächster Präsident der USA zu werden.

Natürlich ist es völliger Unsinn anzunehmen, Leben würde sich überall im Weltall nach denselben evolutionären Prinzipien entwickeln, wie wir sie auf der Erde vorfinden. Unsere Biologie ist perfekt auf ihre jeweilige Umgebung zugeschnitten. Das Leben wäre ein völlig anderes, wenn andere Bedingungen herrschen würden. Betrachten wir einmal etwas so simples wie Wasser. Chemisch gesehen ist es eine Mischung aus Sauerstoff und Wasserstoff, die sich zu Molekülen verbinden. Da es beide Elemente auch außerhalb der Erde gibt, dürfte auch Wasser auf anderen Planenten zu finden sein. Ist es dann auch Wasser, wie wir es kennen? Nicht unbedingt. Es gibt ja auch noch die Physik. Physikalisch betrachtet ist Wasser die Summe vieler kleiner Stabmagnete. Die Ladungen der Moleküle können sich verschieben, dass so etwas wie ein kleiner Magnet entsteht. Sind die Magnete nahe genug beieinander, können sie sich ausrichten und gegenseitig anziehen. Das ist auch dreidimensional möglich und führt bei uns auf der Erde unter normalen Bedingungen zu flüssigem Wasser – oder bei Kälte zu Eis. Können sich die Moleküle jedoch nicht gegenseitig anziehen und festhalten werden sie von der Luft fortgetragen und bilden Wolken, Nebel oder einfach nur Feuchtigkeit.

Man sagt, Wasser sei flüssig. Das ist es wohl auch, aber Wasser ist gleichzeitig auch starr, denn Wasser hat eine Haut. Wer sie sehen will braucht nur etwas Wasser zu verschütten oder auf eine leichte Schräge zu gießen: es fließt nicht weg, sondern versucht sich zusammenzuhalten. Dies gilt für die Haut genauso wie für das, was darunter liegt: die kleinen Magnete richten sich aus und bilden dadurch so etwas wie eine Festigkeit. Wie fest Wasser dadurch wird, wissen Badende, deren Kopfsprung nicht so gut geklappt hat. Diese Festigkeit kann man reduzieren, wenn man Spülmittel ins Wasser gibt: die Haut verschwindet und Wasser wird wirklich flüssig. Spülmittel verhindert die Ausrichtung der kleinen Magnete. Wäre genügend Spülmittel in unseren Meeren könnten Fische nicht mehr schwimmen. Sie würden die gleiche Erfahrungen machen wie Menschen, die versuchen in Öl zu schwimmen: sie gingen unter.

Die ungestörte Ausrichtung der kleinen Magnete ist also entscheidend dafür, dass Wasser zusammenhält. Trifft Wind auf Wasser kommt es zum Kampf zweier unterschiedlicher Festigkeiten. Wenig Wind kräuselt Wasser lediglich, viel Wind führt zum Aufbau einer Wellenfront. Böiger Wind gibt Wasser die Möglichkeit, Höhen und Tiefen der Oberfläche durch schaukelnde Bewegungen auszugleichen. Heftiger Wind reißt Wassertropfen oder Wassermoleküle aus der Haut und trägt sie mit sich. Sturm ist schließlich die Kombination aus allem.

Wäre das auf einem anderen Planeten auch so? Im Film ja. Aber selbst wenn die Chemie stimmt: die Physik der Erde müsste sich wiederholen. Andernfalls wäre der Umgang mit Wasser und seine Ästhetik für uns ein vollig Unbekanntes.