Wie brutal und hammerhart Wasser sein kann, erlebt man qualvoll, wenn der Sprung vom 5 Meter Brett nicht gelingt. Oder wenn man am Strand hohe Wellen nicht durchtaucht, sonder sich ihnen mutig entgegenstellt. Beide Erfahrungen möchte man jedenfalls nicht noch einmal wiederholen.

Und trotzdem ist das alles nur ein Fliegenschiß im Vergleich zur tobenden See. Wer sie noch nicht erlebt hat, weiß nicht, wovon ich spreche!

Acryl auf Leinwand, 70×50, 88. Vorlage: Foto aus dem Internet

Aus „Novecento“ von Alessandro Baricco, übersetzt von Karin Krieger

Das Meer ist aufgewacht
das Meer ist entgleist mit Macht
das Wasser schäumt zum Himmel auf
es wütet, braust, löst Winde, Wolken, Sterne auf
ungestüm bricht es nun los
wie lange es noch dauern mag
man weiß nicht mehr, ob Nacht, ob Tag
Mama davon
hast du nichts gesagt
eiapopeia
das Meer wiegt dich fein
es wiegt dich mitnichten
so wild
ringsumher
vor Gischt und vor Pein
verrückt ist das Meer
so weit der Blick reicht
nur Finsternis
und schwarze Fluten
und schwere Strudel
und alle stumm
sie warten nur
dass es endet
und, sinken
Mama, das will ich nicht
ich will friedliches Wasser
das dich spiegelt
Schluss mit
diesem
sinnlos
wilden
Wasserwänden
und dem Lärm
ich will das Wasser, das du kanntest
ich will das Meer zurück
Stille
und Licht
und Fliegende Fische
dort oben
die fliegen.