Über den Wolken 1

Reinhard Mey hat 1974 ein Lied mit diesem Titel geschrieben. Die Idee dazu kam ihm, als er im warmen Flugzeug saß und von der sich ihm bietenden neuen Perspektive euphorisiert war. Er erkannte eine grenzenlose Freiheit, losgelöst von Sorgen.

Acryl auf Leinwand, 70×50 cm

Mein Kontext zu diesem Bild ist ein anderer. Ich befinde mich als Betrachter zwar auch über den Woken, nicht aber im schützenden Concon des Flugzeugrumpfs. Ich spüre deshalb die Natur mit all ihren Widrigkeiten der Höhe: es ist bitterkalt und es weht ein heftiger, eisiger Wind. Ich friere fast beim Malen, obwohl ich mich in eine warme Ecke verkrochen habe. Ich bin froh, dass ich das kann, denn draußen ist es eisig kalt und der Schnee liegt bereits seit einigen Tagen.

Ich bin froh, dass ich mir eine warme Ecke aussuchen kann, denn andere können es nicht. Viele versuchen ein freies Leben zu führen und kämpfen dabei alljährlich gegen die Launen des Winters. Dabei Hilfe anzunehmen, verstößt gegen das Prinzip der angestrebten Freiheit, ist in Extremsituationen aber überlebenswichtig. Wie unbegreiflich ist es, dass sich Mitmenschen finden, die genau dann meinen, das Anzünden von Wohnheimen und Kältebussen wäre eine gute Sache.

Aber auch in Berlin finden die Einwohner einer Kleinstadt (45000 Haushalte) derzeit keine warme Ecke, weil sie durchmachen, was man keinem wünscht: kein Strom, kein Wasser, keine Energie, kein Internet, kein social Media, nicht einmal das Smartphone läßt sich aufladen: Blackout! Und warum? Nur weil eine kleine Gruppe radikaler Ideologen der Meinung ist, eine solch herbeigeführte Situation sei ihren Zielen förderlich. Was müssen das für Ziele sein…

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2 Kommentare

  1. Bärbel Mündel

    Ich habe mir gerade deine neuesten Werke angeschaut und mich daran erfreut. Toll, dass du auch im Winter in deinem vermutlich eher kühlen Atelier malst!
    Gibt es diese außergewöhnliche Steinformation in echt oder ist sie deiner Fantasie entsprungen? Ich wollte einfach mal Danke sagen, dass du deine Kunst und deine Gedanken dazu hier mit uns teilst.
    Ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Bilder folgen werden…

    • Hallo Bärbel, Danke für Dein vielfältiges Lob. Wenn ich keine Quelle angebe, gibt es auch keine. Zumindest keine direkte. Da ich keine derartigen Höhenerfahrungen wie im Bild habe, habe ich mich beim Malen sicherlich an ein Bild erinnert, das mir beim Betrachten imponiert hatte. Dafür habe ich eine recht gute Erinnerungsgabe.

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