Ab Ende Juli 2022 waren wir im Schwarzwald in der Nähe von Bad Peterstal, oberhalb des Glaswaldsees. Weil es sich bei dem genauen Aufenthaltsort um einen Geheimtip handelt – zumindest für uns Wohnmobilcamper – will ich keine genaueren Angaben machen außer: das war unsere Aussicht!

Ende Juli war es purer Sommer – heiß und trocken, Tag für Tag. Am 1. August war es nicht anders. Wir waren mit den Rädern unterwegs und immer dann froh, wenn wir im Schatten fuhren – bevorzugt bergabwärts. Am Abend waren wir wieder zurück und die Hitze ließ etwas nach, weil die Sonne das Tal nur noch von der Seite beschien. Gegen 20 Uhr wurde es plötzlich auffallend schnell dunkel: über uns zogen Wolken Richtung Tal und nach kurzer Zeit war vom strahlenden Blau nichts mehr zu sehen. Dann war ein mehrfaches Donnern vom Tal zu hören und schon war alles wieder vorbei: der Himmel war blau wie zuvor, die Wärme kam mit der Sonne zurück und der Blick auf den Schwarzwald war wieder frei. Eigentlich war alles wie zuvor.

Acryl auf Papier, 30 x 40 cm, Vorlage: im richtigen Moment da gewesen, 72.

Dachten und empfanden wir zumindest. Dann aber geschah folgendes: von rechts nach links zog eine Wolkenwand durch das Tal und versperrte uns vollständig die Sicht auf den Schwarzwald. Der obere Wolkenrand war dabei zunächst messerscharf und gerade wie ein Lineal und sah deshalb surreal aus. Erst mit zunehmender Länge begann die Wolkenfront nach und nach etwas den Windströmungen nachzugeben und auszufransen. Schließlich war das gesamte Tal von der Wolkenglocke eingehüllt. Diese Situation habe ich versucht, im Bild festzuhalten.

Welchen Scherz hatte sich die Natur da ausgedacht? Gar keinen, das alles war völlig normal. Das Ungewöhnliche war lediglich unsere Perspektive: wir sahen die Reaktion auf einen Gewitterregen nicht wie sonst von unten, sondern von oben. Der warme Boden hatte zum raschen Verdunsten des Niederschlags geführt, dadurch erfolgte eine Nebel-/Dampfbildung. Der Dampf verdichtete sich und stieg auf. Weil zu dem Zeitpunkt noch Windstille herrschte, war die Dampfformation noch ungestört und deshalb beeindruckend anzusehen. Erst nach und nach bildeten sich wieder Temperaturströmungen, also Winde, die den Wasserdampf durchwirbelten. Wer zu dem Zeitpunkt im Tal war, hat lediglich aufsteigenden Nebel beobachtet und den Boden dampfen sehen. Nichts ungewöhnliches nach einem Sommer-Gewitter.

Wir aber, oben auf dem Berg, konnten das Ganze als Kapriole erleben. Vielen Dank dafür!