Auch das gehört zum Urlaub: den winzigen Balkon der Ferienwohnung zu betreten und einfach nur zu staunen! Wieviel Geschichte, wieviel Vergangenheit schlägt einem da plötzlich entgegen? Wie kam es zu dieser Verwinkelung der Häuser? Wer war an den entsprechenden Entscheidungen beteiligt und warum? Wieso war an dieser Stelle überhaupt Platz für einen Balkon, wenn sonst nicht ein einziger weiterer zu sehen ist? – Wie auch immer: auch das ist Meersburg, festgehalten in einer Miniatur mit vielen kleinen, aber interessanten Details.

Acryl auf Papier, 12,5×17,5, 84. Vorlage: dort gewesen

Zu diesen Details gehören zum Beispiel die unterschiedlichen Lösungen zur Wäschetrocknung. Am Haus vorne links sind statische Hilfen zu sehen. Oben Drähte, die fest zwischen zwei Ankern befestigt sind, darunter eine Fensterampel, die sowhl Pflanzen als auch Wäsche Befestigungsmöglichkeiten bietet. Am Haus rechts dagegen sehen wir eine dynamische Hilfe. Zwischen zwei Ankern sind zwei doppelläufige Drähte gespannt, die zwischen Rollen bewegt werden können. Auf diese Weise kann von einem Fenster aus Wäsche aufgehängt werden, die dann mit den Drähten weg bewegt wird, um so den gesamten Platz entlang der Drähte benutzen zu können. In Meersburg habe ich es nicht beachtet, aber in anderen historischen Ortschaften kommt es durchaus auch noch heute vor, dass so ein doppelläufiger Draht nicht entlang eines einzigen Hauses, sondern zwischen zwei Häusern, vorzugsweise über die Straße gespannt wird. Auf diese Weise steht nicht nur mehr Strecke zum Aufhängen zur Verfügung. Die Wäscheleine kann auch beidseitig genutzt werden. Ich habe ein Bild von Neapel im Kopf, bei dem das Straßenbild geradezu geprägt wird von der Wäsche, die über den Köpfen der Passanten trocknet.