Pflanzen lösen Reaktionen aus, bei denen wir froh sein müssen, sie akustisch nicht wahrnehmen zu können. Das gilt für die kleinen Pflanzen ebenso wie für die großen. Die Großen würden aber für die weitaus heftigere Stimmung sorgen. Betrachten wir zum Beispiel einmal den Wald. Der für den verfolgten Wachstumserfolg der dortigen Baumpflanzen nötige Energieschub ist Licht. Um Licht wird dort schon von jeher gerangelt und gekämpft; die einen Pflanzen unterstützen sich dabei, die anderen bekriegen sich. Natürlich spielen dabei auch (biologische) Waffen eine entscheidende Rolle. Allein das schon würde einen entsprechenden Kriegslärm verursachen. Aber inzwischen geht es ja gar nicht mehr nur um Licht: Schädlingsbefall, Hitze und Dürre kommen noch dazu und erhöhen das Elend. Der angestrebte kollektive Schutz der Baumpflanzen wird so zum kollektiven Problem. Diesem schließen sich inzwischen auf vereinzelt oder gar isoliert stehende Bäume an: ein durchdringendes Stöhnen, Ächzen und Klagen wäre zu hören. Von allen?

Acryl auf Papier, 32×24 cm, 83, Vorlage: Foto aus dem Internet.

Wie wäre das bei diesem Baum? Schadet ihm Hitze? Wohl kaum, er kann sich ausreichend kühlen. Schadet ihm Trockenheit? Diese Frage erübrigt sich. Schädlingsbefall? Kaum, das nötige Umfeld fehlt. Warum also sollte er klagen?

Einsamkeit? Ja, wegen der Einsamkeit. Er wurde einsam geboren und wird einsam untergehen. Aber so ein Baum wird alt, sehr alt. Das lange Warten auf das Ende dauert ewig.