Ich weiß, Unendlichkeit ist ein großes Wort. Für Mathematiker ist Unendlichkeit jedoch eine simple Rechengröße, die man noch um 1 vergrößern kann. Auch Astronomen sprechen von Unendlichkeit, meinen damit aber das Unvorstellbare, das nie Endende. Für mich ist Unendlichkeit etwas, das keinen Beginn und kein Ende erkennen läßt – beides aber hat. Im täglichen Leben entdecke ich viele Unendlichkeiten, ganz bewusst und fast aufdringlich mahnend aber dort, wo Wasser auf Land trifft, zum Beispiel am Meer.

Wieviele Ebben und Fluten hat es schon gegeben? Täglich kann ich (meinstens) vier von ihnen erleben, sie bewundern und bestaunen. Meine Winzigkeit wird mir bewusst, wenn ich die Anzahl der von mir erlebbaren Wechsel auf mein mögliches späteres Alter hochrechne und sie mit der Unendlichkeit vergleiche, mit der sie bereits aufgetreten sind. Jeder dieser Wechsel ist zugleich ein Neuanfang. Ein Austausch alt gegen neu. Eine gigantische Recycling-Maschinerie: was die Ebbe zurücklässt nimmt die Flut wieder mit.

Acryl auf Leinwand, 60×30, 85. Vorlage: Foto aus dem Internet

Natürlich gehen wir davon aus, dass das schon immer so war und auch so bleiben wird. Für uns ist kein Anfang und kein Ende erkennbar. Aber das ist ein Irrtum: die Evolution hat einen Fehler gemacht und die Krönung der Schöpfung mit Bewußtsein ausgestattet. Die so selbsternannte Krönung verfügt über alle Möglichkeiten, Unendlichkeiten auf umgängliche, verständliche, erfassbare kleine Größen zurecht zu stutzen.