Die lediglich 5,5 Millionen Norweger, die ihr Land von der Größe Deutschlands bewohnen, sollten sicherlich nicht an Platzangst leiden. Ein Blick auf die norwegische Landkarte verdeutlicht allerdings, dass ein großer Teil dieses Landes nicht für seine Einwohner, sondern dessen Touristen geschaffen wurde: die Hurtigroute ist ein Wasserweg entlang der endlosen Küste und ihrer verwinkelden Fjorde. Die Wasserkante Norwengens ist so zerklüftet, dass sie schlichtweg nicht urbanisierbar ist. Dabei übersteigt das Maß ihrer Zerklüftung die Vorstellungsgabe selbst erfahrener Schätzer. Bei einer Landeslänge von weniger als 2.000 Kilometer verfügt Norwegen hinter Kanada über die zweitlängste Küstenlänge der Welt. Sie beträgt inklusive der 1.200 Fjorde über 100.000 Kilometer! Wahrscheinlich ist jeder einzelne davon atemberaubend.

Der längste Fjord ist der Sognefjord mit einer Länge von 205 Kilometern. Ein Fjord ist kein Fluss, sondern ein schmaler, aber tiefer Meeresarm, der während der Eiszeit geformt wurde und deshalb von steilen Felsufern begrenzt wird.

Acryl auf Leinwand, 70×50. Vorlage: Bild aus dem Internet

Touristen lieben diese optische Idylle und geben viel Geld aus, um sie zu erleben. Dabei ignorieren sie – wissentlich oder nicht – dass jeder Fjord eine respektable Falle darstellt: Ein Bergrutsch löst aufgrund der Enge unweigerlich einen beidseitigen Tsunami aus; es entstehen Monsterwellen, die sich sowohl ins Landesinnere, als auch in Richtung Meer bewegen.
Aufgrund der norwegischen Geologie und der abschmelzenden Gletscher sind Bergrutsche eine immer realere und häufigere Gefahr geworden. Die Regierung hat deshalb zahlreiche Frühwarnsysteme installiert, hat letztlich aber keine Möglichkeiten, einen (absehbaren) Berg- oder auch nur Hangrutsch zu verhindern. Sie kann nur warnen. Es gibt inzwischen zahlreiche Tsunami-Katastrophen, die man nachlesen kann.