Ich habe noch kein Papierbild während seiner Entstehung dokumentiert. Zeit, das jetzt nachzuholen.

Ich verwende ein einzelnes Blatt, weil es sich als letztes bereits vom Block gelöst hat. Normalerweise wird es vom Block gehalten und verhindert sein Wellen-schlagen. Ich muss es deshalb mit einem Rollenpapier an einer Holzunterlage festkleben. Dabei entsteht rechts und links ein kleiner Rand, der nicht sauber bleiben wird, weil sich das Klebeband aufgrund des Wassers im Laufe der Zeit lösen wird, bzw. das Wasser das Band unschön unterspült. Auf jeden Fall verhindert das Klebeband zunächst einmal, dass sich das Papier wellt.

Wer nass-in-nass malt, wässert das Papier zunächst einmal ein. Ich verzichte darauf, weil ich lieber mit Lasuren, also Farbe-auf-Farbe, male. Deshalb beginne ich ganz einfach mit dem Himmel und seiner Spiegelung im Wasser. Damit sind die Proportionen des Bildes festgelegt.

Das leere Blatt wird bunt

Beides glätte ich im nächsten Schritt mit weiterer Farbe. Dann skizziere ich die restliche Landschaft und beginne mit dem Ensemble an Häusern, die später zu sehen sein werden. Dabei geht es zunächst nur um Andeutungen, die später Zug um Zug präzisiert und verdeutlicht werden.

Um diese Landschaft geht es

Alle Bildelemente werden verfeinert, sind aber noch weit weg von ihrer endgültigen Darstellung. Die Jagst lässt die ersten grundlegenden Spiegelungen erahnen.

Die erste Ebene der Wasserspiegelungen sind angedeutet

Man darf sich nicht nervös machen lassen, wenn ein Bild während der Entstehung nicht so aussieht, wie es soll: es entsteht ja gerade. Strich für Strich sollte es sich aber dem Wunschaussehen nähern, wenn auch nur bescheiden schnell. Ein Strich ist eben nicht viel. Das Ensemble ist jetzt hinter einen Grünstreifen gelegt und mit dem Horizont verbunden. Erste Gewächse ragen in den Himmel und machen so den Horizont interessanter. Die Landschaft im Hintergrund ist konkretisiert. Noch arbeite ich streng von hinten nach vorne.

Erste Büsche wachsen in den Himmel

Die Landschaft beidseits der Ufer wird weiter bearbeitet. Dann erfährt die Spiegelung des Wassers einige Präzisierungen. Aber das Wasser sieht immer noch nicht nach Jagst aus.

Spieglein, Spieglein im Wasser…

Manchmal gibt es ganz entscheidende Phasen, die ein Bild verändern. Jetzt kommt so eine. Die bisher noch so abstrakt erscheinende Wasserspiegelung geht über in eine, die wir mit unserer Erfahrung verbinden können. Wenn man die letzten Bilder vergleicht, erkennt man, was alles an der Spiegelung verändert wurde und ist überrascht, wie wenig das ist. Und dennoch: die erste ist definitiv abstrakt, die zweite bereits real, aber noch nicht fertig. Das gegenüber liegende Ufer habe ich natürlich auch etwas überarbeitet. Von ihm gehen erste Schatten aus. Jetzt kann ich mich weiter in den Vordergrund arbeiten.

Licht und Schatten

Ja, so ein Baum am Bildrand gibt mächtig etwas her. Natürlich achte ich darauf, dass er mir den ganzen schönen Hintergrund nicht wieder verdeckt: die Biegung der Jagst möchte ich noch sehen 8und auch das Buschwerk kurz davor. Aber ansonsten geht halt immer etwas verloren, wenn man etwas in den Vordergrund platziert. Ich muss das stets im Hinterkopf haben und mich nicht auf Dinge fokussieren, die später wieder übermalt werden. Nachdem jetzt der Baum das Ufer definiert, kann das verfeinert werden. Der Baum wirft einen Schatten, den muss man erkennen können.

Bäume hüben …

Ich male noch ein markantes Gewächs gegenüber, sein Schatten war ja von Beginn an bereits vorhanden. Da sein Stamm über das Wasser reicht, muss der Schatten noch angepasst werden – wenn man ihn später noch sieht. Das erste Gebäudedach rückt jetzt in den Hintergrund. Ich achte darauf, dass ich es nicht vollständig übermale.

… und drüben

Bleibt noch das angedeutete Ensemble von Häusern. Es wird überdeckt von einem Gewächs, das ganz vorne im Vordergrund wächst. Es ist ein von Gestrüpp überwucherter Baum, der genau so positioniert wird, dass von den Häusern noch genug zu sehen bleibt.

Umspieltes Ensemble

Fertig? Das Papier ist vollständig bemalt, keine Stelle ist mehr unberührt. Ist das Bild also fertig? Für den einen ja, für den andern nein. Für mich beginnt jetzt die Phase der „100 letzten Striche“. Es sind die Striche, die gemeinsam viel verändern, ohne dass man erkennt, an welchem einzelnen es liegt.