Im Erkenntnisprozess des Menschen ist Intuition Erfahrung. Als ich die zu diesem Bild gehörende Fotografie gesehen habe, hatte ich intuitiv eine Assoziation, obwohl ich noch nie dort war, wo dieses Foto entstanden ist. Ich weiß nicht, was meine Assoziation ausgelöst hatte, denn zum Foto gab es keine weitere Information – kein Ort, an dem es aufgenommen wurde, keine Tageszeit, keine Jahreszeit, nichts. Dennoch war meine Assoziation eindeutig: Durst! Und alles unbewusst im Bruchteil einer Sekunde. Welche Erfahrung leitet mich da?

Acryl auf Papier, 40×30. Nach einem Foto aus dem Internet.

Ohne bewusst darüber nachgedacht zu haben, war für mich klar, wo das Foto entstanden ist: in Afrika. Und wann: am hellichten Tag. Und warum: die Regenzeit beginnt. Habe ich das alles schon einmal erlebt, war ich bereits dort? Nein. Aber ich habe Dokumentationen darüber gesehen und so intensiv in mich aufgenommen, dass sie Teil meiner Wirklichkeit und Erfahrung wurden. Ein schönes Beispiel für die Macht des Fernsehens.

Was würde passieren, wenn sich herausstellt, dass das Foto in Schweden während eines Gewitters nachts zur Mitternachtsonne aufgenommen wurde? Wäre meine Assoziation dann bei einem ähnlichen Foto eine andere? Nein. Sie bliebe bei „Durst!“, weil sie sich aufgrund des Dargestellten nicht als falsch herausgestellt hat. Ein bewusster nachfolgender Kontrollmechanismus könnte sie aber infrage stellen, weil es auch eine Abbildung Schwedens sein könnte. Für die Evolution des Menschen ist es wichtig, möglichst immer eine Assoziation für die aktuelle Wahrnehmung zu haben, weil sie den Fluchtinstinkt unmittelbar auslösen kann. Im Zweifel ist das Fliehen wichtiger als das Denken.

Warum schreibe ich das? Ich lese gerade ein interessantes Buch: Schnelles Denken, lansames Denken von Daniel Kahneman. Entscheidungen zu treffen hat viel mit Wahrscheinlichkeiten und Statistik zu tun, deshalb ist das Buch etwas mühsam zu lesen – zumindest die ersten 300 Seiten, weiter bin ich noch nicht. Es macht einen aber auf jeden Fall schlauer!