„Mal doch nicht immer so detailgetreu! Mal doch mal etwas abstrakter!“ Meine Frau steht eher aufs Grobe, ich nicht. Ich will ihr aber mal zeigen, dass ich auch etwas großzügiger mit Pinselstrichen umgehen kann.

Als ich das Foto im Internet gesehen hatte, war ich mir zunächst unsicher, ob es sich tatsächlich um ein Foto handelt und nicht um ein gemaltes Bild. Der Himmel erschien mir so unwirklich und auch dessen Spiegelungen im Wasser. Ich habe es mir deshalb gewissenhaft und lange angesehen. Am Ende war ich mir sicher, dass es sich um ein Abbild der Natur handelt, die auf einem Foto zum genau richtigen Zeitpunkt festgehalten worden war. Der Himmel für sich ist bereits außergewöhnlich und faszinierend: zeigt er einen beginnenden oder endenden Tag? Ist die von ihm ausgehende bedrohliche Stimmung zunehmend oder abklingend? Warum ist seine Spiegelung so ungewöhnlich friedlich? Über die Antworten musste ich mir erst klar werden, ehe ich mit dem Malen beginnen würde. Dann aber konnte ich auf jeden weiteren künstlerischen Effekt verzichten: die Natur hatte alles geliefert, was an Dramatik nötig war.

Acryl auf Leinwand, 70×50, 76. Vorlage: Foto im Internet.

Denn eines ist klar: dies ist ein geradezu hochdramatischer Himmel und Ausgangspunkt einer nahenden Katastrophe. Die untergehende Sonne zieht die Wolken an, wie ein Magnet das Eisen. Dort, wo die Wolken bereits stark genug verdichtet sind, regnet es bereits. Entsprechend viel Wind ist aufgekommen – zu überraschend, als dass das Wasser die entstehenden Wellen bereits bis an unseren sichtbaren Bereich herantransportiert haben könnte. Was die tobenden Turbulenzen inzwischen für eine Kraft ausüben, sieht man an der Bewegung des Ballons: auch er wird zur Bildmitte hin angezogen, so schnell, dass der Korb vom Ballon wie ein lästiges Anhängsel mitgeschleift wird! Was macht er dort überhaupt? Mitten über dem Wasser! Von Land ist weit und breit nichts zu sehen! Der Pilot/die Pilotin hat den Kampf längst aufgegeben, die Flughöhe über Wasser beträgt nur noch wenige Meter. Wäre noch Gas da, würde man es sehen können: verzweifelt würde man die Luft anheizen, um an Höhe zu gewinnen. Aber der Kampf mit dem Wind fand bereits früher statt, als der Ballon noch hoch am Himmel stand und der Wind sich auffrischte und begonnen hatte, nach unten zu drücken. Da wurde noch dagegengeheizt, was der Gasvorrat hergab. Über das Wasser wollte man nicht fahren, aber der Wind mit seiner neuen Richtung ließ nichts anderes zu. Längst ist das Notfallsignal ausgesendet, denn gleich kommt es zur Wasserberührung. So ein Korb im Schlepptau des Ballons schwimmt nicht lange, er füllt sich mit Wasser …