Wir stehen jetzt vor derselben Situation wie beim Schneckenglück. Auch da war der Strand komplett und von der Schnecke nichts zu sehen! Die Frage ist: wie bekommt man etwas dahin, wo gar kein Platz mehr ist? Einfach dort hinmalen hat keinen Sinn, denn die eingesetzten Farben sind transparent, das Ergebnis wäre nicht zu erkennen. Im Nachhinein könnte man natürlich sagen: hätte ich dort doch einfach Platz gelassen… Das wäre tatsächlich eine Alternative gewesen, allerdings nur theoretisch. Bei so flächigen Motiven wie Wasser oder Schaum kann man nicht einfach so drumherum malen. Dann kommt das Flächige nicht zustande. Außerdem wären die Konturen nicht so scharf stehen geblieben, wie es erforderlich ist.

Die Lösung ist eine andere: man muss wieder dort weiß realisieren, wo eine Möwe hinkommen soll. Und da beginnt man bereits zu ahnen: die eigentliche Arbeit kommt erst jetzt. Pro Vogel sind das schon einmal 5 Lasuren – und keine darf die bereits bestehende vergrößern – was bei fehlender Konzentration nur allzu leicht geschieht!

Die durchzuführenden Schritte zeige ich zunächst am Beispiel einer einzelnen Möwe. Erschwerend kommt nämlich noch dazu, dass nicht vorgezeichnet werden kann: die Linien würden möglicherweise nicht mehr verschwinden, weil die Farbe sie nicht überdecken wird. Entscheiden wir uns also für eine erste Möwe und bringen eine erste weiße Lasur auf, genau dort, wo sie hinkommen soll:

Wie gesagt, nicht viel von ihr zu sehen. Aber das ist Lasur 1. Nach dem Trocknen folgt die nächste:

Schon deutlicher. Leider verblasst das Weiß wieder beim Trocken, wie man eine Stunde später sieht:

Das ist der Grund, warum man enttäuscht ist, wenn man am nächsten Tag ein Bild ansieht, von dem man gedacht hatte, es sei fertig!

Inzwischen ist es dunkel geworden, deshalb ist das Bild mit der nächsten noch nassen Lasur etwas bräunlich. In jedem Fall ist es die vierte Lasur, so langsam sollte es also etwas werden:

Die fünfte Lasur ist jetzt trocken und sieht ganz passabel aus, damit kann man arbeiten:

Die Wasserkante am Rumpf der Möwe lässt sich durch ein paar weitere kleine Lasuren noch verbergen. Dann ist das Fundament der Möwe fertig. Wie bereits erwähnt: Malen fordert mitunter Ausdauer und Geduld.